Allgemeines über Hurrikane von
Thomas Sävert

Hier erfahren Sie mehr zur Entstehung von Hurrikanen:

Hurrikan KATRINA
Hurrikan KATRINA im August 2005

Auf vielen tropischen Ozeanen bilden sich in den jeweiligen Sommer- und Herbstmonaten immer wieder Wirbelstürme, die in fast jedem Jahr erhebliche Schäden anrichten und zahlreiche Opfer unter der Bevölkerung fordern. Die schlimmsten waren u.a. der Hurrikan KATRINA, der im August 2005 die Golfküste der USA verwüstete und mehr als 1.800 Tote forderte sowie Schäden von mehr als 100 Milliarden US-Dollar anrichtete, und ein Zyklon im Golf von Bengalen, der im Oktober 1970 in Bangladesch etwa 300.000 Menschen das Leben kostete.

Die offizielle Wirbelsturmsaison läuft auf dem Nordatlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Das bedeutet aber nicht, dass sonst keine Wirbelstürme auftreten. Auch im Mai und im Dezember, in Ausnahmefällen sogar im Winter sind schon Stürme aufgetreten, z.B. der Hurrikan KLAUS, der um den 20. Dezember 1984 auf dem Atlantik nordöstlich der Karibischen Inseln umherwirbelte. Auf dem Nordostpazifik dauert die Saison vom 15. Mai bis zum 30. November, während auf dem Nordwestpazifik das ganze Jahr über Stürme beobachtet werden. Der Höhepunkt ist dort von Juni bis November, allerdings gab es auch schon im Februar Supertaifune mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 240 Kilometer pro Stunde.

Atlantische Wirbelstürme werden zu Hurrikanen, wenn sie Windstärke 12 und damit Windgeschwindigkeiten von mehr als 117 km/h erreichen. Auf dem Nordwestpazifik werden Stürme mit dieser Stärke als Taifune bezeichnet, im Nordostpazifik ebenfalls als Hurrikane. Auch auf dem Südpazifik und dem Indischen Ozean bilden sich Wirbelstürme, die als Zyklone bezeichnet werden. Berüchtigt sind auch die Mauritius-Orkane, die Madagaskar oder die afrikanische Ostküste heimsuchen können. Dagegen waren auf dem Südatlantik früher keine solchen Wirbel bekannt, bis sich am 26. März 2004 zum ersten Mal seit Beginn des Satellitenzeitalters ein Hurrikan vor der südbrasilianischen Küste bildete. In einigen Fällen haben sich auch auf dem Mittelmeer schon kleine Wirbelstürme gebildet, allerdings sind sie hier noch nicht näher untersucht.

Bildet sich ein Tropischer Sturm, so bekommt er von den Wetterdiensten einen Namen, der für jeden Ozean einer festen Liste entnommen wird. An der australischen Ostküste taufte bereits in den 1920er und 1930er Jahren ein Wissenschaftler die Wirbelstürme mit Namen von Politikern, die er nicht mochte. Ab 1950 bekamen die atlantischen Stürme Namen in alphabetischer Reihenfolge, ab 1953 durchweg Frauennamen. Seit 1978/79 haben sich auf allen Ozeanen abwechselnd weibliche und männliche Namen durchgesetzt.

Für den Atlantik und den Nordostpazifik steht dem National Hurricane Center in Miami eine Namensliste für 6 Jahre zur Verfügung. In jedem Jahr wird bei dem Buchstaben A angefangen, abwechselnd mit einem weiblichen und einem männlichen Namen. Nach Ablauf der 6 Jahre beginnt die Liste wieder von vorne. Hat nun ein Sturm enorme Schäden angerichtet und/oder viele Todesopfer gefordert, wird der Name dieses Sturms aus der Liste gestrichen und taucht nie wieder auf, so zum Beispiel HUGO 1989, ANDREW 1992, MITCH 1998, KEITH 2000, KATRINA, RITA und WILMA 2005, IKE 2008 sowie IGOR und TOMAS im Jahre 2010.

Die aktuellen Namen lauten für den Atlantik:

2020

2021

2022

2023

2024

2025

           

Arthur

Ana

Alex

Arlene

Alberto

Andrea

Bertha

Bill

Bonnie

Bret

Beryl

Barry

Cristobal

Claudette

Colin

Cindy

Chris

Chantal

Dolly

Danny

Danielle

Don

Debby

Dorian

Edouard

Elsa

Earl

Emily

Ernesto

Erin

Fay

Fred

Fiona

Franklin

Francine

Fernand

Gonzalo

Grace

Gaston

Gert

Gordon

Gabrielle

Hanna

Henri

Hermine

Harold

Helene

Humberto

Isaias

Ida

Ian

Idalia

Isaac

Imelda

Josephine

Julian

Julia

Jose

Joyce

Jerry

Kyle

Kate

Karl

Katia

Kirk

Karen

Laura

Larry

Lisa

Lee

Leslie

Lorenzo

Marco

Mindy

Martin

Margo

Milton

Melissa

Nana

Nicholas

Nicole

Nigel

Nadine

Nestor

Omar

Odette

Owen

Ophelia

Oscar

Olga

Paulette

Peter

Paula

Philippe

Patty

Pablo

Rene

Rose

Richard

Rina

Rafael

Rebekah

Sally

Sam

Shary

Sean

Sara

Sebastien

Teddy

Teresa

Tobias

Tammy

Tony

Tanya

Vicky

Victor

Virginie

Vince

Valerie

Van

Wilfred

Wanda

Walter

Whitney

William

Wendy

 

Für alle anderen Ozeane wird eine fortlaufende Liste genommen. Nur im Golf von Bengalen und im Arabischen Meer sowie auf dem Südatlantik bekamen die Wirbelstürme lange Zeit keine Namen. Erst mit dem Jahr 2005 wurden auch hier Namen eingeführt.

Im Gegensatz zu den Tiefdruckgebieten, die das Wetter in Deutschland beeinflussen, sind die Hurrikane nur relativ kleine Gebilde. Ihr Durchmesser erreicht selten mehr als 500 Kilometer.

Im Allgemeinen liegt die Lebensdauer der tropischen Wirbelstürme bei rund einer Woche. In seltenen Fällen hält sich ein Sturm auch bis zu vier Wochen. Das setzt jedoch voraus, daß seine Zugbahn durchweg über tropische oder subtropische Meeresgebiete verläuft.


Die Entstehungsbedingungen für tropische Zyklonen sind recht komplex. Es lassen sich aber einige wichtige Voraussetzungen für die Sturmbildung aufstellen:

  1. Das Meer sollte eine Wassertemperatur von mindestens 26 bis 27 Grad aufweisen. Ausnahmen stellen aus ehemaligen außertropischen Tiefs entstehende Stürme dar, die sich manchmal schon bei Wassertemperaturen von 20 bis 24 Grad umwandeln können. Entscheidend ist nicht die absolute Wassertemperatur, sondern die Differenz zur Lufttemperatur in höheren Schichten.
  2. Das Meeresgebiet muß groß genug sein. Die Ostsee reicht dafür nicht aus, selbst wenn sie warm genug wäre.
  3. Direkt am Äquator können sich keine Stürme bilden, da hier die Corioliskraft fehlt, die die Drehbewegung verursacht. Erst ab etwa 5 Grad nördlicher und südlicher Breite reicht die Corioliskraft - die ablenkende Kraft durch die Erddrehung - aus.
  4. Es darf keine große vertikale Windscherung auftreten. Das bedeutet: Weht der Höhenwind aus einer anderen Richtung oder deutlich stärker als der Bodenwind, dann sind die Voraussetzungen ungünstig, der Sturm oder der entstehende Sturm bekommt sozusagen Schieflage und wird förmlich auseinandergetrieben.
  5. Der Sturm braucht einen "Startmechanismus", aus dem er sich aufbauen kann. Das kann eine Wellenstörung ("Easterly Wave") in der tropischen Passatströmung sein oder auch ein außertropisches Tief, das sich in einen tropischen Wirbel umwandelt.

Kommen alle diese Voraussetzungen zusammen, dann kann sich aus solch einem tropischen Tiefdruckgebiet ein Wirbelsturm bilden. Hier steigt die feuchtwarme, von der Sonne aufgeheizte Luft auf, und es bilden sich dicke Gewittertürme. Am Erdboden fehlt jetzt Luft, sodass der Luftdruck fällt. Um den Druckunterschied auszugleichen, strömt von außen neue Luft heran, die wiederum aufsteigt. Durch die Erddrehung (à Corioliskraft) wird das System in Drehbewegung versetzt, und ein Wirbel entsteht. Je schneller die Luft aufsteigt, desto größer wird auch die Drehbewegung und damit die Windgeschwindigkeit. Bei der Wolkenbildung wird zusätzlich Wärme freigesetzt, die den ganzen Prozess noch weiter anheizt. Sind die Bedingungen günstig genug (kaum Scherung, sehr warmes Wasser, kein Land in der Nähe), dann kann sich ein gewaltiger Hurrikan zusammenbrauen.

 

Man teilt die tropischen Wirbelstürme je nach Stärke in Klassen ein:

Tropische Depression

Tiefdruckgebiet, maximaler Wind unter 62 km/h, werden auf jedem Ozean durchnummeriert

Tropischer Sturm

Wirbelsturm mit 63 bis 117 km/h, bekommt einen Namen

Hurrikan

Sturm mit Stärke 12, also mehr als 117 km/h (auf dem Atlantik); entsprechend Taifun, Zyklon etc. Die Hurrikane werden in 5 Kategorien eingeteilt, von 1 = schwach bis 5 = katastrophal.

 

Die meisten atlantischen Stürme bilden sich aus Wellenstörungen, die von der afrikanischen Westküste über den Ozean nach Westen ziehen und sich über dem warmen Wasser aufbauen. Unter günstigen Bedingungen entsteht ein Hurrikan, in dessen Zentrum sich das windstille Auge ausbildet. Nur wenige Kilometer entfernt weht der Wind mit Geschwindigkeiten, die in starken Hurrikanen wie MITCH fast 300 km/h erreichen können. Der Luftdruck sinkt im Kern solcher Stürme stark ab. 2005 erreichte er in WILMA den atlantischen Rekordwert von 882 Hektopascal. Auf dem Pazifik stellte der Taifun TIP 1979 den Weltrekord mit 870 Hektopascal auf.

Die Zugbahn der tropischen Wirbelstürme verläuft auf der Nordhalbkugel zunächst meist nach Westen bis Nordwesten, bevor viele von ihnen nach Norden eindrehen. Die Stürme können aber auch völlig komplizierte Bahnen einschlagen, sodass die Vorhersage ziemlich schwierig ist. Vor allem für längere Zeiträume als zwei Tage kann der Vorhersagefehler sehr groß werden. Im langjährigen Durchschnitt liegt der Fehler für den dritten Tag bereits bei rund 200 Meilen, also mehr als 300 Kilometern!

NHC
Das National Hurricane Center in Miami, Florida, bunkerartig abgeschottet mit meterdicken Wänden

Das National Hurricane Center (NHC) in Miami / Florida gibt Warnungen für die Bevölkerung in den USA und allen anderen Atlantikstaaten heraus. Zuständig für den westlichen Pazifik und den Indischen Ozean ist unter anderem das Joint Typhoon Warning Center (TWC) auf der Pazifikinsel Guam, in Zusammenarbeit mit den einzelnen nationalen Wetterdiensten. Die Hauptgefahren sind der starke Wind und die dadurch entstehende Sturmflut an den Küsten. Außerdem werden die Stürme meist von sintflutartigen Regenfällen begleitet, die zu großflächigen Überschwemmungen führen können.

Häufig wandeln sich Hurrikane in "normale" Tiefs der außertropischen Breiten um, die dann über den Atlantik in Richtung Westeuropa ziehen und anschließend auch das Wetter in Deutschland beeinflussen können. Oft steckt in ihnen noch ein Rest der tropischen Energie und auch in Mitteleuropa können manchmal sintflutartige Regenfälle auftreten.

 

Copyright: Thomas Sävert, 16. Januar 2020


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