Orkan 16.10.1987 von
Thomas Sävert
Orkan in England 1987
Am 16. Oktober 1987 zog einer der schlimmsten Orkane der vergangenen Jahrhunderte über England hinweg, betroffen war außerdem der Norden Frankreichs. Dabei kamen 18 Menschen in England ums Leben, weitere vier starben in Frankreich. Allein im Süden Englands stürzten mehr als 15 Millionen Bäume um. Millionen Menschen waren stundenland ohne Strom, für Hunderttausende war die Stromversorgung auch 24 Stunden nach dem Orkan noch nicht wieder hergestellt.

Nach Angaben des britischen Wetterdienstes wurde die stärkste Böe um 01:30 Uhr MEZ am Pointe du Roc nahe Granville in der Normandie mit 117 Knoten, entsprechend 217 km/h gemessen. Die höchste Windspitze in England wurde in Sussex verzeichnet, um 04:10 Uhr MEZ meldete die Wetterstation in Shoreham eine Spitzenböe von 100 Knoten = 185 km/h. In zahlreichen weiteren Küstenorten wurden mehr als 165 km/h registriert. Selbst weit im Landesinnern erreichten die Windgeschwindigkeiten verbreitet Werte um und über 150 km/h. In London wurden am Wetterbüro 82 Knoten (152 km/h) und am geschlossenen Flughafen in Gatwick 86 Knoten 159 km/h) gemessen. Damit wurden etwa südöstlich einer Linie Southhampten - London - Great Yarmouth Windwerte erreicht, wie sie nur etwa alle 200 Jahre auftreten. Der Orkan war nahezu vergleichbar mit einem schweren Orkan im Jahre 1703, der in etwa dieselbe Region traf.

In Großbritannien wird der Orkan oft als "the great Hurricane" bezeichnet. Dies ist irreführend, da es sich nicht um einen Hurrikan im eigentlichen Sinne, also einen tropischen Wirbelsturm, handelte, sondern um ein außertropisches Orkantief. Denoch war es ein sehr außergewöhnliches Sturmereignis. Dazu kommt, dass Windstärke 12 in Großbritannien allgemein als "Hurricane" (bei uns Orkan) bezeichnet wird.

Satellitenbild des Orkantiefs
Satellitenbild des Orkantiefs (NOAA)

Links zum England-Orkan 1987:
Hier möchte ich nur einige Links zum damaligen Orkan aufführen. Sollten Sie noch eine interessante Seite zum Thema betreiben oder finden, senden Sie einfach eine kurze Mail

Abmerkungen von Matthias Jaeneke (Wetterzentrale)
Great Storm of 1987 (Wikipedia)
The Great Storm of 1987 (UK MetOffice)
1987: Hurricane winds batter southern England (BBC)
Michael Fish and the 1987 Storm (BBC)
Gallery: Great Storm of 1987 (BBC)
The Great Storm of 1987 in Suffolk (BBC)
Your Storm: 20 years on (BBC)
1987 second most expensive storm (BBC)
Lessons learned from Great Storm (BBC)
The Great Storm in South East England (St. Vincent)
Met Office gives storm warning on anniversary of 87 hurricane (The Guardian, 11.10.2007)
The Great October Storm of 1987 (UK Weatherworld)
BBC news - Storm of 1987 (Video) (YouTube)
BBC weather blooper by Michael Fish storm of 1987 (YouTube)
ITN News at 545 (YouTube)
The Storm of 1987 (YouTube)
The Great Storm - 25 years on (UK MetOffice, 12.10.2012)
Factfile: The 1987 Great Storm (UK MetOffice, 12.10.2012)
The Great Storm - 25 years on (YouTube)
Wetterlage 14.10.1987
Wetterlage 15.10.1987
Wetterlage 16.10.1987
Quelle: Wetterzentrale
Mehr zur Wetterlage am 16. Oktober 1987:
Die Karten zeigen die Entwicklung der Wetterlage im Oktober 1987, als am Rande eines Tiefs bei Schottland ein kleines Randtief rasch über den gesamten Atlantik hinweg zur Biskaya zog und sich hier zu einem starken Orkantief verstärkte, das dann in Richtung Nordosten über England hinwegzog. Dabei richtete es hier erhebliche Schäden an. Die drei Karten zeigen die Wetterlage am 14., 15. und 16. Oktober 1987, jeweils 1 Uhr MEZ.

Am 13. Oktober 1987 entstand an einer Kaltfront südlich von Neufundland eine Wellenstörung, die am 14. Oktober sehr rasch über den gesamten Atlantik hinwegzog und sich dabei zunächst nur langsam vertiefte. Im Bereich der Biskaya vor der französischen Westküste verstärkte sich das kleine Tief erheblich und drehte mehr nach Nordosten ein. Am Abend des 15. Oktober (Donnerstag) lag ein Vorgängertief mit einem Kerndruck von 972 Hektopascal über dem Nordosten Englands. Das neue Tief lag zu dieser Zeit bereits mit einem Kerndruck von 966 Hektopascal über dem Westausgang des Ärmelkanals. Es lenkte aus Südwesten vorübergehend sehr milde Luft in Richtung Mitteleuropa.

Am Freitag (16.10.) lag das nun zum Orkantief verstärkte Tief gegen 2 Uhr MEZ schon über der Südküste von Cornwall. In den Stunden darauf überquerte es mit Nordostkurs sehr rasch England, um 4 Uhr befand es sich über Avon, um 7 Uhr über Humberside und um 9 Uhr MEZ lag es bereits weit über der Nordsee. Der Kerndruck im Zentrum des Orkantiefs sank zeitweise bis 952 Hektopascal - der tiefste Oktoberwert, der bis dahin in England gemessen wurde. Das Band mit den höchsten Windgeschwindigkeiten erfasste in den Frühstunden des 16.10. weite Teile Englands. Besonders schlimm betroffen waren hier die Counties Hampshire, Sussex und Kent.

Das Orkantief zog dann weiter über die Nordsee hinweg in Richtung Nordosten bis Norden und erreichte am Moregn des 17. Oktober die Norwegische See, wo es sich wieder abschwächte. Der britische Wetterdienst stand damals unter heftiger Kritik, weil es zwar die Zugbahn des Tiefs zwar halbwegs richtig vorhergesagt hatte, aber die Stärke deutlich unterschätzt wurde.


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